Das Phänomen Germany´s Next Topmodel

Alle Jahre wieder

kommt die Heidi Klum

aus Amerika wieder

und schaut sich nach „Models“ um.

Kehrt mit Thomas Hayo

ein in jede Stadt, 

mit dabei der „Michi“,

den keiner gekannt hat.

Ach ja, liebe Kinder. Jedes Jahr zur Frühlingszeit blühen auf ProSieben nicht die Blumen auf, sondern die Fratzen der neuen „Meeeeedchen“!

Komm schon, du hast bestimmt auch schon mal GNTM, so wie es die selbsternannten Expertinnen nennen, geschaut. Oder zumindest einmal etwas davon gehört. Wer leugnet, der lügt! Eine so etablierte Sendung gehört neben „Ich bin ein Z-Promi, ich brauche Geld!“, „Der Bäpschlor“ und „Die Bäpschlorette“, zusammen mit dem Urgestein“DSDS“ (Deutschland sucht den Superschmarotzer) auf  den Olymp der trashigsten Unterhaltungsshows Deutschlands, die Jahr für Jahr von Jung, und auch Alt, gesehen werden.

Neues Jahr, neues Glück. Es ist doch einfach spannend zu wissen, wer dieses Jahr Germany´s Next Topmodel wird. „Denn ihr wisst, nur eine kann Germany´s..“, ok, ok, schon gut, schon gut! Ich unterbreche hier zu unser aller Wohl (mal davon abgesehen, dass ich hier sowieso keine Werbung schalten kann und will). Wie viele sich jetzt wohl gerade vor Wut auf die Lippe gebissen oder aus Genervtheit die Augen verdreht haben. Aber hey! Wäre doch eine gute Idee, wenn Heidi das nächste Mal einfach ein wenig Abwechslung in die Sache bringt und sagt:“Nur zwei von euch können Germany´s Next Topmodel werden“. Würde bestimmt niemandem auffallen. Genau das gleiche gilt für Phrasen wie: „Ich habe heute leider kein Foto für dich“. Wie viele unlustige Witze mit diesem Satz wohl schon gemacht worden sind. Och Heidi, Abwechslung! Aber bitte keine weiteren Anglizismen. Mutter Klum gleicht mit diesen Standardsätzen einer Actionfigur, die auf Knopfdruck dieselben Sätze runterleiert, bis irgendwann die Batterien leer sind. Ach ne, bei Heidi sind die Batterien nie leer. Vielleicht liegt es daran, dass nicht nur fettarme Milch und Stevia in ihren Kaffee kommen. Man weiß es nicht. Wie dem auch sei, hat Heidi nicht nur ihre allseits bekannten Floskeln auf Lager, sie hat noch viel mehr drauf. Mit einem jokergleichen Grinsen Interviews und unnötige Kommentare zu den Kandidatinnen geben, während sie überbelichtet vor einer stylischen Designerlampe sitzt und gleichzeitig was über Selbstbewusstsein von den Karteikarten hinter der Kamera liest, um den Zuschauern ein gutes Bild über die Sendung zu vermitteln. Aber genug vom altbewährtem Kram. Lasst uns doch bitte einmal das betrachten, was die Show belebt. Damit meine ich nicht die übertrieben vielen Werbepartner und Produktplatzierungen, sondern natürlich unsere „Meeeedels“! 2018 wird auch wieder das Stichwort „Deiwörsiti“ groß geschrieben. Mehr Individualität lautet die Devise (daran zu erkennen, dass die meisten Mädchen beim Casting alle das gleiche zum „Crop Top“ gebundene Levis-Shirt und die gleiche Skinny Highwaist mit den rotsohligen High-Heels kombiniert haben). Komisch nur, dass es auch dieses Jahr wieder genau die gleichen Stereotypen gibt, die schon seit Anbeginn der Sendung existieren. Der verrückte Publikumsliebling (Klaudia mit K), die Süße (Trixi) und die Streithähne (Zoe und Victoria- das Serena und Blair Gespann aus Österreich) sind wichtige Quotenmagnete der Sendung.

Nichts Neues also. Wäre da doch nicht eine klitzekleine Erneuerung: die „Curvy Models“. Sarah (ausgeschieden) und Pia sind die sensationelle Erneuerung! Naja, sollten sie zumindest sein. Ich sage mal so, Pia fällt nicht sonderlich oft auf. Nur eben damit, dass sie mit ihrer 36/38 scheinbar schon fast als Plus-Size gilt. Somit ist Heidis menschgewordenes Statement auf die „#notheidisgirl“ Kampagne eher nach hinten losgegangen. Weg vom Magersuchtsimage und hin zu Bodypositivity. Aber was haben die ganzen Leute denn? Man sieht die Models ja immerhin etwas essen. Die Figur ist Ergebnis einer ausgewogenen Ernährung (keine Kohlenhydrate nach 18 Uhr) und v.a. viel Sport. Ist doch klar, oder?

Herrje, Model zu sein, ist also gar nicht mehr so einfach. „Früher war alles besser“ scheint auch hier wieder zuzutreffen. Naja, das einzig Schwierige ist eigentlich nur diese ganzen unnötigen Anglizismen in normales Deutsch zu übertragen und den darin verborgenen Sinn der Ansagen des äußerst fachkundigen Personals zu verstehen. „Denk an deine Attitude, Darling!“ oder „Gimme more! More posing! Very sassy, gurl!“ sind typische Laute von sogenannten „Creative directors“, wie Papis Loveday und Nikeata Thompson, die ebenso hochangesehen sind wie der Modeljob an sich. Aber wenn ich darüber nachdenke, dass ich mir von irgendwelchen neunmalklugen Profis unbrauchbare Tipps wie „very good, aber deine Arme!“ oder „Mach mehr pow und weniger dudum!“ anhören muss, dann bekommt man schon etwas Mitleid, nicht wahr? Ok, Fremdscham überwiegt dann doch eher. Aber abschließend lässt sich doch sagen, dass wir uns alle solche Sendungen reinziehen, während wir in Jogginghose auf der Couch eine Pizza essen oder? Germany´s Next Topmodel ist und bleibt ein Klassiker für sich. Diskussionen sind immer vorprogrammiert, aber das macht es gerade so interessant, nicht wahr? Das Phänomen, wer zum Schluss Deutschlands schönstes Mädchen wird, bleibt wohl noch lange bestehen, auch wenn die Sendung für einige „den Hype“,wie Frau Klum sagen würde, nicht wert ist.

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